 München - Hall i.Tirol - Hallangerhaus - Vorderriß - Königsdorf - Pullach - München
Ökologisches Lernen und sportliche Herausforderung müssen keine Gegensätze sein.
Nachdem wir - das ist Manfred Huber vom Institut für Jugendarbeit in Gauting und auch im Auftrag der Jugend des Deutschen Alpenvereins, Georg Lindl, Ökopädagoge und ehemals Leiter der Umweltstation der Jugendsiedlung Hochland in Königsdorf und Uwe Biermann von der Bayerischen Sportjugend, - 2004 unsere Idee, die "ISAR von der Quelle bis zur Mün...chener Flosslände" zu erleben, zum ersten Mal in die Tat umsetzten, haben wir 2008 diese Fortbildung nun bereits zum vierten Mal durchgeführt.
Die mobile Kombination einen Fluss von der Quelle an zu Fuß, mit dem Radl und dem Schlauchboot zu begleiten ist und bleibt ungewöhnlich. Aber gerade diese Kombination macht ein ökologisch, nachhaltiges Lernen in der in diesem Jahr erlebten Intensität erst möglich.
2003 hatten wir uns zusammengesetzt und das Projekt "Von der Isarquelle bis zur Mün...chener Floßlände" konzipiert. Die Idee war, die Isar an ihrem Ursprung zu erforschen, zu erleben, um sie danach unter den Aspekten der Ökologie, der Umweltbildung, der Kultur, der Geschichte und des Sports bis nach München zu begleiten.
Hierfür bot sich das Wandern, das Radeln und das Schlauchbootfahren an. Fast jeder der ca. 140 Flusskilometer von der Quelle im Hinterautal bis nach München konnte in den Tagen vom 09. bis 13. Juli 2008 von den Teilnehmenden "erlebt", jede Veränderung wahrgenommen werden.
Exemplarisch zeigte dieses Seminar einen Weg auf, wie spannende Aktivitäten, Sicherheit der TeilnehmerInnen und die ökologischen Zusammenhänge der Natur in einer zeitgemäßen Jugendarbeit angewandt werden können.
Wir setzten uns intensiv mit den Alpen bzw. dem Alpenvorland, mit der breiten Palette "Berge, Flüsse, Kulturraum", in Verbindung mit einer aktuellen und zeitgemäßen Jugendarbeit auseinander. Dies war ein überaus positives Beispiel der vielgepriesenen "Nachhaltigkeit", ein praxisbezogenes Feld des nachhaltigen Lernens.
Der grobe Ablauf sah wie folgt aus:
Treffpunkt war am 09. Juli 2008 um 11:30 Uhr am Gleis 9 des Münchner Hauptbahnhofs.
Die Anreise wurde uns durch Gleisbauarbeiten der DB zeitlich verlängert und variantenreicher gestaltet. Von München Hbf ging es mit dem Zug bis nach Rosenheim. Dort mussten wir in einen Bus umsteigen, der uns bis nach Brannenburg brachte. Von Brannenburg ging es mit einem weiteren Bus bis nach Kufstein und von hier fuhren wir mit dem (Bummel-)Zug nach Hall in Tirol. Unterwegs stieg in Kufstein noch eine Teilnehmende und in Hall (Tirol) noch ein Teilnehmender zu. Von Hall i.Tirol aus ging es mit zwei Taxifahrten nur bis zum Anfang des Hall-Tales, weil durch Murenabgänge die Weiterfahrt bis zu den Herrenhäusern gesperrt war. Gegen 15:45 Uhr starteten wir unsere Wanderung. Über die "Herrenhäuser" wanderten wir dann über das Lafatscher Joch (2.085 m) in ca. 5 Stunden zum Hallangerhaus auf ca. 1800 m Höhe. Die zusätzlichen Kilo- und Höhenmeter tat der guten Grundstimmung, die von Beginn an herrschte, keinen Abbruch.
Am nächsten Tag (10. Juli 2008), der uns mit einem strahlend blauen Himmel begrüßte, machten wir uns zur Quelle des Lafatscher Bachs auf, um mehr über die Entstehung der Alpen, des Gebirges, über Quellen und über Fauna und Flora in deren Umfeld zu erfahren.
Danach machten wir uns mit unseren noch schweren Rucksäcken auf, um zur Kastenalm zu gelangen. Hierbei machten wir uns anhand einer geologischen Zeit-Raumreise deutlich, seit wann es das Weltall, die Erde, das gesamte komplexe Leben auf derselben und uns Menschen gibt.
Kurz unterhalb der Kastenalm machten wir eine kleine Brotzeit, packten unsere Rucksäcke um (die großen Rucksäcke wurden zur Jugendsiedlung Hochland nach Königsdorf gebracht; einen kleineren "buckelten" wir nun die nächsten 1,5 Tage) und erhielten unsere Mountainbikes, die uns ins Hinterautal geliefert wurden. Mit den hervoragenden MTBs radelten wir anschließend zur Isarquelle.
Diese ist seit dem Jahr 2003 - nach einem genehmigten Antrag - "touristisch" ausgebaut, erschlossen worden. Ursprünglich sollte dies gar nicht in diesem großen Umfang passieren (...und keiner will es jetzt gewesen sein...), aber ein "Rückbau" ist auch ausgeschlossen.
Nun ist zwar von offizieller Seite geklärt, wo die Isarquelle ist, nachdem es jahrelang immer wieder unterschiedliche Meinungen gab (Lafatscher Bach oder der jetzt ausgewiesene Standort), aber jeder der am Lafatscher Bach war, wird sich seinen Teil im Stillen denken... :-))
Bei sommerlichen Temperaturen verbrachten wir an den zahlreichen Quellen im Isarquellgebiet eine schöne, besinnliche Zeit, die uns mit einer erlebenispädagogischen Maßnahme ("Journey to the heart of nature") Zeit gab, sich mit der Umgebung und uns selbst auseinanderzusetzen.
Anschließend radelten wir durch das herrliche Hinterautal - immer wieder durch (leider viel zu wenige) kleine Stopps und vertiefenden Informationen unterbrochen - über Scharnitz nach Mittenwald. Dort gab es einen kurzen Stopp mit Einkehr in ein kleines Sportcafe, um dann weiter bis nach Krün, zum Isarstausee zu gelangen. Dort wurde die Energieversorgung im letzten Jahrhundert thematisiert, mit all den negativen Auswüchsen für die Isar und deren Fauna und Flora.
Anschließend ging es auf der Mautstraße noch einmal ein wenig bergauf bergab nach Vorderriß, ins AWO-Ferienheim.
Der Isar hat das Wasserkraftwerk in Kochel bis dahin das meiste Wasser "geraubt"; auch dem Rißbach ( Hauptzufluss der jungen Isar; auch dieser wird fast komplett in den Walchensee abgeleitet) ist nur ein kleiner Rinnsal geblieben. So dass sich Fauna und Flora in den vergangenen Jahrzehnten auf die neuen Bedingungen einstellten.
In Vorderriß verbrachten wir eine kurze Nacht im AWO-Ferienheim und frühstückten am nächsten Morgen in dem berühmten "Gasthof zur Post", in dem Ludwig Thoma aufwuchs (geboren in Oberammergau).
Am Freitag (11. Juli 2008) ging es bei herrlichem Sonnenschein mit den Rädern bis nach Königsdorf. Wir erkundeten dabei radelnd den Kultur- und Naturraum des Isarwinkels. So machten wir u.a. einen Stopp am Sylvensteinstausee, im Isarwinkel am Kalkofen, um einiges über den früheren starken "Wirtschaftszweig" (Kalk, Holzwirtschaft, Flößerleben) im Isarwinkel zu hören, etwas weiter an der "Isarburg" und an den mittlerweile weit bekannten "Isarpyramiden" zwischen Lenggries und Bad Tölz.
In Bad Tölz machten wir einen kleinen Stadtrundgang durch das alte Flößerviertel, um u.a. die Lüftlmalerei, die Architektur und die Brauereien, die vor annähernd einhundert Jahren zahlreich vorhanden waren, thematisch zu vertiefen. Auch ein Besuch im Heimatmuseum stand an; dort fand die aktuelle Sonderausstellung von Stefanie von Strechine [geboren am 22. November 1858 in Odessa (Russland), wurde als junges Mädchen nach München geschickt und entdeckte dort ihre Liebe zur Malerei. An der Akademie der Bildenden Künste perfektionierte sie ihren naturalistischen Malstil als Schüler des bekannten Landschaftsmalers Ludwig Willroider.], die zahlreiche Bilder von Bad Tölz und der Umgebung malte.
Dann ging es aber die letzten Kilometer auf dem Radl über Rothenrain weiter Richtung Königsdorf, denn aufkommende Gewitterwolken trieben uns zur Eile und alle freuten sich auf eine warme Dusche.
In Königsdorf übernachteten wir in einer schönen Blockhütte; am Abend ließ es das Wetter zu, dass wir Grillen konnten. Dann setzte aber der große Regen mit Blitz und Donner ein, der uns bis zum Schluss am Sonntagnachmittag erhalten blieb.
Der Samstag (12. Juli 2008) stand ganz im Zeichen unserer Schlauchboottour. Nachdem bzgl. Verpflegung, Ausrüstung und Ablauf des Tages alles geklärt war, machten wir uns nach Einöd auf, um nach dem Sicherheitsgespräch die Isar nun auf dem Fluss zu verfolgen, zu erleben und neu kennenzulernen.
Auf dieser "Reise" fanden aufgrund des Regens und eines Gewitters nur ein Stopp statt. Unterwegs gab es in den Booten Informationen zu Auwälder, Pupplinger und Ascholdinger Au, Kieseinbringung, Kleinstlebewesen, Wehre, usw. Direkt nach der Mittagspause, als wir gerade wieder in unseren Booten saßen erwischte uns ein starker Regenschauer, der uns komplett durchnässte. Einer anschließenden, ausgiebigen und lustigen Wasserschlacht im Regen stand nun nichts mehr im Wege; nass waren sowieso schon alle.
Aufgrund der außerordentlichen guten Paddelleistung und der reduzierten Stopps gegenüber den Vorjahren, "legten" wir gegen 16:30 Uhr unterhalb der Grünwalder Brücke etwas "geschlaucht" vom Regen und der kälter werdenden Temperaturen (deshalb heißt es ja auch "Schlauchbootfahren") "an".
Übernachtet wurde in der Jugendherberge auf der Burg Schwaneck, zu der wir in ca. 30 Minuten zu Fuß gelangten.
Der Sonntag (13. Juli 2008) stand ganz im Zeichen von heftigem Dauerregen!
Nach einer kurzen theoretischen Einheit auf der Burg Schwaneck standen die letzten Kilometer der Isar auf dem Programm. Unterbrochen von einer weiteren kleinen, aber intensiven Wasserschlacht (das Wasser der Isar war an diesem Tag wärmer als die Lufttemperatur) gelangten wir durch das stetige Paddeln rasch zur Münchener Flosslände. Die "Isara rapidus", wie sie ursprünglich von den Römern genannt wurde, hat in München nichts mehr von ihrer Wildheit im Hinterautal behalten. Aus der "Reißenden" ist in München ein zahmer, gebändigter Fluss bzw. Kanal geworden.
Komplett durchnässt fand zum Abschluss ein altes Flößerritual statt. Danach ging es zum Sportvereinsheim des MTV München, wo wir uns unter einem Vordach umziehen konnten. Hier fand dann auch die abschließende Reflexion statt.
Am frühen Nachmittag, um ca. 13:30 Uhr verabschiedeten wir uns dann voneinander.
Wir lernten in diesen Tagen die Isar von der Quelle bis nach München, ihre Schönheit und Schutzbedürftigkeit kennen, machten uns mit umwelt- und erlebnispädagogischen Methoden vertraut und erlebten prozessorientiert die Chancen und Grenzen dieser Methoden.
Die gesamte Fortbildung war so angelegt, dass einzelne Teile davon mit Jugendlichen umgesetzt werden können.
Alle Aktivitäten erforderten ein Mindestmaß an Kondition und Ausdauer, sowie die Bereitschaft, sich auf Neues, Unbekanntes und nötigenfalls auch aufs Improvisieren einzulassen.
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