Freiwilligendienst
im Rainbow House of Hope Uganda (RHU)
Berichte von Freiwilligen
Judith Frick / ...als pdf-Datei
Martin Wirsching / ...als pdf-Datei
Franziska Meszaros / ...als pdf-Datei
Ruth Forstner / ...als pdf-Datei
Daniel Pfitzer / ...als pdf-Datei
Debora Sauer / ...als pdf-Datei

Interview mit Ruth Forstner / ...als pdf-Datei
Interview mit Sabine Huber / ...als pdf-Datei




Abschlussbericht
meines Freiwilligendienstes im Rainbow House of Hope Uganda
vom 15. August bis 12. Dezember 2007
Von Veronika Nadler

Endlich angekommen! Nachdem sich auf dem Flug Dubai- Entebbe die Farbskala von weiß nach schwarz verschoben hatte, war ich nun eine der wenigen Weißen, oder "Muzungus" wie sie auf Luganda heißen, die aus dem Flugzeug stiegen. Ein seltsames Gefühl so anders zu sein und aus einer Menschenmenge herauszustechen, den ununterbrochenen Strom von fantastischen, fremdartigen Lauten nicht zu verstehen . Ein Gefühl der eigenen Fremdartigkeit und doch ein spannendes, aufregendes Gefühl und auch die Hoffnung, diese fremde Kultur und ihre Menschen kennen und verstehen zu lernen.
Die Fahrt vom Flughafen nach Kampala machte schon unglaublich Eindruck auf mich.
Auf einer durchlöcherten Straße holpernd ging es an Siedlungen aus Bretter- und Wellblechütten vorbei, fröhlich-bunt gestrichenen kleinen Läden, Waschmittel- und Coca Cola-Reklamen... Am Boden davor Berge aus zu verkaufenden Haushaltsutensilien: Waschzubern, Reisigbesen, Schwämmen, Kochlöffeln, Haarbürsten, Zahnbürsten, Schuhbürsten und vieles mehr. Daneben sich türmende Früchte in allen Farben- grüne, gelbe, braune Bananen in verschiedenen Größen, Mangos, Ananas, Papaya!

Und überall Menschen!
Vor den Läden am Boden auf Matten sitzend, in Gruppen schwatzend am Wegesrand stehend, zu dritt auf Boda-Bodas (Motorrädern), oder zu zwanzigst in Taxibussen. Viele Kinder in Schuluniformen sah ich, adrett und sauber herausgeputzt in Krawatten und Kniestrümpfen, die fröhlich sangen. Und Frauen in buntbedruckten Kleidern mit Körben voller Bananen auf den Köpfen.
Dazu der ständige Sonnenschein, roter Staub, der sich auf Autos, Kleidern und in der Nase festsetzte, sattes Grün von Palmen, blühenden Hecken und Bäumen und ein ständiger Lärmpegel aus Hupen, Musik, Gelächter und Geschrei.

Als ich im Rainbowhouse (RHU) ankam war ich übermannt von soviel Neuem und kaum aus dem Auto ausgestiegen war ich umringt von schwarzen, kahlgeschorenen Kindern, die mich neugierig und aufgedreht "How are you?" und "What's your name?" fragten und unbedingt meine Hände fassen oder meine Taschen tragen wollten."

Das war meine erste Begegnung mit den "Rainbow-Kids", anfangs waren sie noch eine nicht zu unterscheidende Masse schwarzer Gesichter, doch bald kristallisierten sich einzelne Persönlichkeiten mit ihren verschiedenen Charaktereigenschaften heraus. Da war z. B. der 5-jährige Victor, ein rehäugiger, kleiner, zaundürrer Junge, der immer penibel darauf achtete, dass meine Kleidung richtig saß- Hemd in der Hose, alle Reißverschlüsse zu und Schnürsenkel gebunden waren!
Oder die 4-jährige Desire, die mir jeden Tag einen vermeintlich ganz schlimmen Kratzer zeigen musste, damit ich ihr dann "Heile, heile Segen" vorsang und sie in meinen Armen wiegte.
Diese beiden wie auch die anderen Kinder aus unserer Nachbarschaft haben fast alle mit den gleichen sozialen Problemen zu kämpfen: Armut und emotionaler Vernachlässigung. Sie sind mehr oder weniger auf sich selbst gestellt und müssen oft schon für den Erhalt der Familie im Laden der Eltern mitarbeiten und kleine Dienstleistungsarbeiten machen.

Den "Kleinen" brachte ich Seilspringen bei und lernte eine Menge neuer Lieder, Abzählreime und Spiele. Oder wir saßen zusammen am großen Tisch im Aufenthaltsraum und bastelten Perlenketten, Girlanden, Sterne, Spielzeug aus Müll, malten Bilder, oder sahen uns Bilderbücher an.
Bei den Größeren war ich für das Sportprogramm zuständig, da wurde dann Badminton, Fußball, Volleyball und Basketball gespielt oder die Akrobatikkünste der Kinder verbessert.
Meine größte Leidenschaft war jedoch der Tanzunterricht, den ich zweimal wöchentlich gab. Die teilnehmenden Kinder und Jugendlichen, zum Großteil Mädchen, hatten großen Spaß und waren hoch motiviert dabei. Vor allem als der erste Auftritt auf einem "Social Gathering", einer Art Projekttag des Rainbowhouses für die Gemeinde, anstand, wurden noch im Hausflur die Schritte geübt, am Outfit gezupft und sich gegenseitig Mut gemacht. Und es wurde ein voller Erfolg und viel applaudiert, was den Tänzern natürlich ungemein gut tat.

Bald kannten in unserer Umgebung schon sehr viele Leute meinen Namen, den sie mir zuriefen, sobald sie mich vorbeilaufen sahen. "Vero, welcome back! How are you today?" Worauf ich ihnen mit meinem von den Kindern aufgeschnapptem Luganda antwortete, was sehr oft Heiterkeitsausbrüche verursachte. Ich knüpfte Kontakte mit vielen Menschen, dem Milchmann, der Gemüsefrau, dem Mann im Supermarkt oder dem Jungen am Chapatistand, der mir beibrachte wie man jene leckeren Weizenmehlfladen zubereitet und mir irgendwann einen Heiratsantrag machte und 15 Kühe als Mitgift bot.
Das hört sich vielleicht alles sehr harmonisch, friedlich und schön an, was es auch wäre, wenn es nicht die vorherrschende Armut und die mit ihr einhergehender Kriminalität und Krankheit gäbe. Diebstähle waren auch in unserer Nachbarschaft keine Seltenheit und Krankheiten wie HIV/Aids, Tuberkulose und die von Moskitos übertragene Malaria sind weit verbreitet.
Auch ist es natürlich nicht immer einfach mit 10 Jugendlichen und jungen Erwachsenen im selben Haus zu wohnen, sich Zimmer, Küche und Bad zu teilen und bis abends für die Kinder da zu sein, Privatsphäre hatte man da natürlich so gut wie nie. Deshalb war es gut am Wochenende auch mal raus aufs Land, z. B. nach Jinja an den Viktoriasee fahren zu können und dann Ruhe genießen und einfach mal für sich sein zu können.

Ich war sehr froh den FWD und eine anschließende zweiwöchige Reise gemacht zu haben, da sie mir zeigten, wie viel es in diesem Land zu entdecken gibt. Als es für mich dann ans Abschiednehmen ging konnte ich mir überhaupt nicht mehr vorstellen nach Deutschland zurückzukehren, so sehr hatte ich mich an das Leben in Uganda gewöhnt.

Nichtsdestotrotz musste ich schweren Herzens zurückfliegen und bin nun seit Mitte Februar wieder zu Hause. Heiße Duschen, Waschmaschine, Fernsehen, Computer und anderer Komfort werden zwar leider wieder zu Selbstverständlichkeiten, ich versuche mir jedoch im Bewusstsein zu halten, wie meine Freunde im fernen Uganda leben und behalte alle Erlebnisse als wertvollen Erfahrungsschatz in mir.

Bei diesem FWD konnte ich vielleicht nicht die ärmlichen Lebensverhältnisse der Kinder verändern, jedoch durch Kommunikation und Interaktion Denkanstösse geben, die Freude am Sport weitergeben, konnte dadurch deren Leben etwas bunter machen und ihnen ihr Recht auf Kindheit ein Stück weit zurückgeben.

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