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Prävention sexueller Gewalt

 

Unsere Termine in diesem Jahr:

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Anmeldung

Muss leider Krankheitsbedingt abgesagt werden.

19:00 Uhr

TSV Unterpfaffenhofen-Germering

Alfons-Baumann-Str. 7

82110 Germering

Silke Poller, KHKin, Polizeipräsidium Oberbayern

keine

 

bis 19.04.2018 über das

Anmeldeformular

 

Sexuelle Gewalt in der sportlichen Jugendarbeit - bei uns doch nicht!

Sexueller Missbrauch von Kindern und Jugendlichen ist an sich so ungeheuerlich und unfassbar, dass das Thema oft verdrängt beziehungsweise verleugnet wird: "Bei uns gibt es so etwas nicht!" Die Zahlen sprechen eine andere Sprache (auch wenn sie jeweils abhängig von der zugrunde gelegten Definition bzw. den unterschiedlichen Untersuchungen und Statistiken zur sexuellen Gewalt sind.) und sind in jedem Fall erschreckend:

  • Ca. 15.000 Fälle von sexuellem Missbrauch Minderjähriger wurden z.B. 2003 in Deutschland von der Polizei erfasst (nach §§ 176, 176a, 176 b StGB).
  • Die Dunkelziffer sexuellen Missbrauchs wird bis zu 20 mal höher geschätzt.
  • Jedes 4.-5. Mädchen und jeder 10. bis 12. Junge unter achtzehn ist betroffen.
  • Die Täter/innen kommen zu 2/3 aus dem bekannten Umfeld des Opfers.
  • Die Täter sind zu 85-90% männlich und leben heterosexuell.
  • Die Täter kommen aus allen Altersgruppen (1/3 sind unter 21 Jahre alt).
  • Sie sind meist Wiederholungstäter.
  • Der Missbrauch wird bewusst geplant und herbeigeführt.

Gott sei Dank wächst die Sensibilität der Öffentlichkeit gegenüber diesem Tabuthema. Durch die Beratungstätigkeit des Bayerischen Jugendrings (BJR) ist bekannt, dass ca. ein Drittel aller bayerischen Jugendverbände bereits mit Fällen sexueller Gewalt gegenüber Minderjährigen konfrontiert war. Tatsache ist, dass die verbandliche Jugendarbeit sowohl Opfer, als auch Täter/innen in ihren eigenen Reihen hat. Dies verpflichtet sie, präventiv zum Schutz ihrer Kinder tätig zu werden. Auch im Sport versuchen Täter/innen ihre Opfer zu finden. Sie gehen strategisch vor und halten sich bevorzugt überall dort auf, wo Kinder und Jugendliche sind. Der Sport ist durch seine vielfältige und körperbezogene Bewegungskultur und der großen Anzahl von Kindern und Jugendlichen ein "attraktives" Terrain.

 

Über eine Million junge Menschen unter achtzehn Jahre, also mehr als 40 % aller bayerischen Kinder und Jugendlichen sind in Sportvereinen aktiv. Sie müssen wirksam vor sexueller Gewalt geschützt und mögliche Täter/innen müssen abgeschreckt werden. Dies ist Aufgabe aller Verantwortlichen in der sportlichen Jugendarbeit.

 

Die brisanten Fälle in Ingolstadt und Penzberg (Siehe Presse August 2009) zeigen, dass die Prävention sexueller Gewalt in der sportlichen Jugendarbeit fortlaufend ernst genommen werden muss. Missbrauch von Kindern und Jugendlichen kann überall geschehen und wird nicht aussterben. Die Verbandsjugendleitung der BAYERISCHEN SPORTJUGEND entschloss sich deshalb die Prävention sexueller Gewalt in der sportlichen Jugendarbeit nach dem Konzept "Prätect" des BJR (Vorbeugung und Schutz) auch in der BAYERISCHEN SPORTJUGEND zu installieren.

 

 

Bisherige Maßnahmen der BSJ:

Begleitende Aktionen

  • Sensibilisierung der Mitarbeiter/innen in der Jugendarbeit der Sportvereine durch Aufklärung mit Beiträgen, Informationen, Hilfestellungen und praktischen Tipps zum Thema "Prävention sexueller Gewalt in der sportlichen Jugendarbeit" im Bayernsport und auf der Homepage der BSJ.
  • Sensibilisierung der Kreis- und Bezirksjugendleitungen der BAYERISCHEN SPORTJUGEND auf den Arbeitstagungen 2005, 2006, 2007; Aufruf, das Thema in die Vereine zu tragen
  • Kooperation mit Fachorganisationen
  • Vernetzung und Kooperation der BSJ mit anderen Organisationen (Prätect, Amyna, Aktion Jugendschutz, Kinderschutzbund etc. um z.B. Materialien, Referenten/innen, Beratungsangebote etc. nutzen zu können)
  • Übungsleiter-Ausbildung
  • Die Prävention sexueller Gewalt wurde als Inhalt fest in die Übungsleiterausbildung "Breitensport Profil Kinder/Jugendliche" installiert. Damit werden pro Jahr 500 neue Übungsleiter mit dem Thema konfrontiert. Mittelfristig wird das für eine bayernweite Verbreitung des Präventionsgedankens sorgen und helfen, das Tabuthema im Sport aufzubrechen.
  • 2007 wurden dafür erstmals Referenten der BSJ-Bezirkslehrteams und der Landesebene in Zusammenarbeit mit Prätect und Amyna ausgebildet.
  • Prävention sexueller Gewalt ist auch fester Bestandteil des FSJ-Einführungsseminars
  • Fortbildung für Mitarbeiter/innen in der Vereinsjugendarbeit
  • Die BSJ erstellte ein Seminarkonzept "Prävention sexueller Gewalt in der sportlichen Jugendarbeit", das 2007 im Modellseminar in Fürstenfeldbruck erprobt wurde. Inhalte: Was ist sexueller Missbrauch? Verdachtsklärung - wie geht man vor? Prävention in der sportlichen Kinder- und Jugendarbeit - damit´s nicht dazu kommt.

Anschließend wurde das Konzept allen Kreisjugendleitungen und den Sport-Fachverbandsjugendleitungen der BSJ für deren Mitarbeiterbildung zur Verfügung gestellt. Leider wurde dieses Angebot bislang nur sehr zögerlich angenommen. Grund: Einerseits bestehen Ängste dieses Tabuthema anzupacken, andererseits herrscht in vielen Bereich noch immer die Meinung: "Bei uns gibt es so was nicht". Dies zeigt sich auch daran, dass manch angebotene Seminare "Prävention sexueller Gewalt in der sportlichen Jugendarbeit" mangels Teilnehmerinteresse abgesagt werden mussten.

  • Prävention sexueller Gewalt wird auch in diversen Landeslehrgängen thematisiert.
  • Verankerung in der Verbandsstruktur
  • BLSV-Jugendordnung
  • Die Ächtung sexueller Gewalt wurde 2008 in der BLSV-Jugendordnung verankert. Sie soll auch in die Muster-Vereinsjugendordnungen der BSJ aufgenommen werden.
  • Muster-Verhaltenskodex für Sportvereine

Die BSJ bietet Sportvereinen einen Muster-Verhaltenskodex zur Prävention sexueller Gewalt zum Download an. Sportvereine können diesen auf die Belange ihrer Jugendarbeit, auf ein Trainingslager, eine Ferienfreizeit etc. anpassen und so mit ihren Mitarbeitern/innen in der Jugendarbeit einen eigenen Verhaltenskodex entwickeln. Dem Verhaltenskodex sollen alle in der Jugendarbeit des Vereins tätigen Mitarbeiter/innen mündlich oder schriftlich zustimmen.

Angehende BSJ-Übungsleiter und FSJ-ler lernen bereits in ihrer Ausbildung wie ein Verhaltenskodex für ihre Jugendarbeit aufgebaut und mit Leben erfüllt werden kann.

  • Die Praxis zeigt, dass die Installation dieser präventiven Maßnahme anfangs auf Widerstände stößt: "Brauchen wir nicht", "Bringt doch nichts!", ... und Überzeugungsarbeit und Zeit benötigt.
  • Eine "Gebrauchsanleitung" zur Einführung eines Verhaltenskodexes zur Prävention sexueller Gewalt unterstützt den Prozess (zum Downloaden).
  • Eine feste Ansprechstelle im Verband wird derzeit noch diskutiert.

Wolfgang Ballester

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Sexuelle Gewalt - was ist das?

Sexuelle Gewalt ist eine Grenzverletzung und meint jede sexuelle Handlung, die an einem Kind oder einem/einer Jugendlichen gegen dessen/deren Willen vorgenommen wird. Dies gilt auch, wenn das Opfer wegen seiner körperlichen, geistigen, kognitiven und sprachlichen Unterlegenheit der sexuellen Handlung nicht wissentlich zustimmen kann.

 

Sexuelle Gewalt kommt in vielen Formen und Abstufungen vor. Es wird unterschieden zwischen sexueller Gewalt ohne Körperkontakt (anzügliche Bemerkungen, Beobachten beim Baden, Duschen, Exhibitionismus, Pornos zeigen, ...), mit geringem Körperkontakt (Zungenküsse, Brust anfassen, Versuch die Genitalien zu berühren), mit intensivem Körperkontakt (Masturbation von Täter/in bzw. Opfer, Anfassen der Genitalien,...) und sehr intensivem Körperkontakt (anale, genitale oder orale Vergewaltigung).

Es geht aber nicht nur um schwere Formen der sexuellen Gewalt, sondern auch um leichtere Formen der Grenzverletzung. Diese werden individuell verschieden wahrgenommen und sind alters- und geschlechtsabhängig. Für ein Kind kann der von ihm nicht gewollte und aufgezwungene Begrüßungskuss der Tante schon als Grenzverletzung wahrgenommen werden.

 

Sexueller Missbrauch durch Fremde ist im Verhältnis eher selten. Kinder und Jugendliche erleben sexuelle Übergriffe sehr häufig in ihrem sozialen Nahraum und von Menschen, denen sie vertrauen und von denen sie Unterstützung, positive Zuwendung und emotionale und soziale Fürsorge erwarten. Der deutlich größte Teil der betroffenen Mädchen und Jungen wird von ihnen bekannten Personen missbraucht, die nicht zur Familie gehören. Es können Bekannte oder Freunde der Familie, aber auch Nachbar/innen, Lehrer/innen, Jugendleiter/innen, Pfarrer/innen, Ärzte/Ärztinnen, Erzieher/innen usw. sein.

Sie nutzen ihre Macht- und Autoritätsposition aus, um ihre eigenen (sexuellen) Bedürfnisse auf Kosten des Kindes zu befriedigen. Je enger die Beziehung zwischen Täter/in und Opfer ist, desto länger und häufiger findet sexueller Missbrauch statt.

 

Die physischen und psychischen Folgen können für die Opfer lang anhaltend und extrem einschneidend sein. Auf Grund der unterschiedlichen Formen und Schweregrade sexueller Gewalt, der individuellen Besonderheiten und des subjektiven Erlebens der Betroffenen reagiert jedes Kind bzw. jede/r Jugendliche/r anders. Es gibt keine eindeutigen Symptome bei Opfern, die den Rückschluss auf sexuelle Gewalt ermöglichen.

 

Auszüge aus: BAYERISCHER JUGENDRING (Hrsg.): Prävention vor sexueller Gewalt in der Kinder- und Jugendarbeit. Baustein 1: Basisinformationen zum Thema "sexuelle Gewalt"; München 2001

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