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Sport im Jugendstrafvollzug


Breit gefächertes sportliches Angebot in der JVA Ebrach

Viele Sportarten lernten die Teilnehmer des Projekts „Sport als Chance“ Ende des Jahres in der Justizvollzugsanstalt Ebrach kennen. Ute Braun (Vorsitzende BSJ Unterfranken und Projektleiterin) und Katharina Stubenrauch (Vorsitzende BSJ Oberfranken) waren begeistert von der Motivation und der Neugier der Gruppe bei besonderen Herausforderungen. Die Studentin Laura Neuner hatte sich einiges einfallen lassen und steigerte Kooperations- und Vertrauensübungen im Laufe der 8 Wochen stetig, so dass am Ende auch Akro(batik)yoga kein Problem mehr für die Jungs darstellte. Mutig versuchten sie sich an den Figuren, die die Studentin unterstützt von einer Kollegin vorführte und schafften am Ende jede vorgegebene Figur. Natürlich waren auch Fitness, Krafttraining und Ballsportarten Bestandteil des Projekts. Da konnten sich die Teilnehmer sportlich auspowern und die Technik verfeinern. Auf Grund der Vielfalt war für jeden die richtige Sportart dabei. Doch am Ende standen die Gemeinschaft und die neu erreichten Ziele und Erfahrungen im Mittelpunkt. So waren auch die beiden Sportbeamten Harald Götz und Oliver Becher mit Lehrer Michael Wagner begeistert vom Ablauf der Maßnahme und dem Erreichten.

Wegen der anstehenden Dachsanierung wurde das Projekt vorgezogen. Nun hoffen alle Beteiligten, dass die Arbeiten im Frühjahr durchgeführt werden können und dann ab Juli „Das Leben ins Gleichgewicht bringen“ stattfinden kann. Sollte die Halle nicht nutzbar sein, bleibt immer noch die Außensportanlage mit dem Kunstrasenplatz. Ein neues Sportgerät soll dann im Arbeitstherapeutischen-Betrieb auch wieder gebaut werden!

Bericht von Ute Braun
Bild wurde von der JVA Ebrach im Rahmen des Projektes zur Verfügung gestellt



Junges Engagement: Sport im Jugendarrest

Durch die Vorsitzende der BSJ Unterfranken, Ute Braun, die schon viel in der JVA Ebrach plant und umsetzt habe ich mich für die verschiedenen Formen des Strafvollzugs interessiert. Mit ihr bat ich um die Möglichkeit die Anstalt und den Jugendarrest in Würzburg besichtigen zu dürfen. Wir führten Gespräche mit den verantwortlichen Beamten und fragten, ob es eine Möglichkeit gibt dort ein Sportprojekt durchzuführen. Man war unseren Vorschlägen gegenüber sehr offen. Ich entschied mich ein Projekt in der Jugendarrestanstalt (JAA) anzustoßen. Hier müssen Jugendliche rein, die ihre Sozialstunden nicht gemacht haben, mit Drogen gedealt, Körperverletzung begangen oder ähnliches angestellt haben. Die Aufenthaltsdauer in der JAA beträgt höchstens 4 Wochen und gilt als Erziehungsmaßnahme. Es erfolgt kein Eintrag im erweiterten Führungszeugnis und der Arbeitgeber wird nicht informiert. Die meisten Insassen, die so lange da sind und schon arbeiten, nehmen sich Urlaub oder kommen, falls sie Schüler sind, in den Ferien.

Zuerst musste ich einen Studenten finden, der sich zutraut mit gefangenen Jugendlichen Sport zu treiben und Übungsleiterstunden zu halten. Hier bewarb sich Richard Salzer von der Julius-Maximilians Universität Würzburg.Die Koordination und Planung war meine Aufgabe.

Mein Ziel war es, den Jugendlichen durch verschieden kooperative Spiele zu zeigen, wie wertvoll Teamgeist ist. Auch die Möglichkeit im Sport überschüssige Aggressionen abzubauen und nicht durch Schlägereien war mein Ziel. Wir haben mehrere Sportarten ausprobiert (Slackline, Fußball, Badminton, Speedminton, etc.), damit jeder für sich seine Lieblingssportart finden kann und diese auch in seiner Freizeit in einem Verein spielen kann

Das Sportprojekt hat den Insassen geholfen, sich leichter zu öffnen, Teamfähigkeit zu entwickeln, einen guten Ausgleich zu schaffen und neue Sportarten zu erlernen und hoffentlich auch draußen, in Freiheit sportlich aktiv zu werden. Mehrere sagen nach diesem Aufenthalt im Jugendarrest, dass sie nie wieder so ein „Blödsinn“ machen werden. Doch viele kommen wieder und sagen zum Schluss immer das gleiche. Viele sind für eine positive Veränderung in ihrem Leben noch nicht reif genug, aber für manche ist diese Art der Erziehungsmaßnahme ideal und rettet ihre Zukunft. Ich glaube es hat den Jugendlichen auch ein Stück weit geholfen, dass Sie mal sehen, dass andere Jugendliche, die studieren oder angehende Studenten sind, auch „cool“ sein können. Auch mir ist klar geworden, dass Vorurteile unnötig sind. Wir sollten erst urteilen, wenn wir den Menschen besser kennen und nicht, weil er eine Straftat begangen hat, ihn gleich in eine Schublade stecken. Meine persönlichen Ziele habe ich meiner Meinung nach erreicht. Ich wollte den Jugendlichen verschiedene Sportarten und Teamgeist näherbringen. Das habe ich zusammen mit Richard relativ gut hinbekommen. Durch klare Regeln und Motivation, gab es keine Auseinandersetzungen zwischen den Jugendlichen.

Da ich schon Erfahrungen mit einem früheren Mikroprojekt hatte, fielen mir das Planen und die theoretische Arbeit sehr viel leichter, als beim ersten Mal. Bei meinem nächsten Projekt werde ich trotzdem noch mehr im Vorfeld planen, denn es hilft wirklich viel, wenn man einen roten Faden hat, der einem dann die Arbeiten deutlich erleichtert. Jedoch kommen immer wieder Probleme während der Planung auf, die man lösen muss. Man muss einfach spontan sein, wenn man ein solches Projekt durchführt.

Im Jugendarresthaus und im Sport haben uns die Beamten super unterstützt. Es war eine sehr interessante, lehrreiche Zeit für mich, die ich nicht vermissen möchte.

Auf meine Arbeit bin ich sehr stolz und hoffe, dass sich immer Freiwillige finden, solch ein Projekt durchzuführen.


Spitzen Gruppe

Das 10. Projekt "Das Leben ins Gleichgewicht bringen" der JVA Ebrach in Zusammenarbeit mit der Bayerische Sportjugend Oberfranken und Unterfranken kann als voller Erfolg bezeichnet werden. Die Teilnehmer entwickelten sich zu einer "Spitzen Gruppe" und die Sportlehramtsstudentin Johanna Kestler verstand es mit den jungen Männern umzugehen. Von Tischtennis, Badminton, Fußball, Basketball über Handball, Volleyball, Kraftsport und kleinen Spiele war alles geboten. Besonderes Highlight war dann die Einführung des Spiels Tschoukball. In der Werkpädagogik hatte Holger Friedrich mit seinem Team die Jungs bei der Fertigung der Tore angeleitet. Diese wurden dann nach dem Kennenlernen der Regeln eingeweiht. "Es ist gar nicht so einfach den Ball zu fangen, nachdem ein Mitspieler ihn auf das Tor geworfen hat" mussten die Teilnehmer feststellen. Tore konnten somit wenige gezählt werden. Doch im  Mittelpunkt stand ja eher die Erfahrung, dass man ein selbst hergestelltes Sportgerät dann im Team nutzen kann. Im Geräteraum versuchten sich unterdessen die Auswechselspieler und Verantwortlichen am "Käsebrett", das ebenfalls im Rahmen des Projekts von den Inhaftierten gefertigt worden war. Geduld und motorische Fähigkeiten sind gefragt um die Scheibe oder Kugel durch das Labyrinth von Löchern zu lenken. Doch der Aufforderungscharakter ist enorm und so konnte es sich niemand verkneifen (der ein oder andere auch heimlich) einen Test durchzuführen. Der Tag wurde abgeschlossen beim gemeinsamen Kuchenessen. Die Studentin hatte zusammen mit den Jungs gegen die Bediensteten beim Turnier verloren und brachte für die Sieger einen Kuchen mit. Beim Abschlussbild konnten daher alle strahlen und sich über den Erfolg des Projekts erfreuen.  Sehnsucht nach dem Strafvollzug wird bei Ute Braun und Luise Pusch nicht aufkommen, denn gleich im Anschluss beginnt das 3. Projekt "Sport als Chance" mit einem Studenten der Sonderschulpädagogik. So werden sie weiterhin beratend zur Seite stehen und den Fortschritt der Teilnehmer miterleben. "Es ist auch für Studenten eine Chance durch den Sport an Randgruppen heranzukommen" und so ist die Sportjugend sehr dankbar für die ausgesprochen gute Zusammenarbeit und die Wertschätzung, die alle Beteiligten erfahren.


Neu eingekleidet

Die Sportbeamten freuen sich gemeinsam mit den Inhaftierten der JVA Ebrach bei der Übergabe eines Trikotsatzes von der Bayerischen Sportjugend. Luise Pusch (BSJ Oberfranken) und Ute Braun (BSJ Unterfranken) überreichten sie gemeinsam mit Sophia Niedling (wissenschaftliche Begleitung der Projekte im Jugendstrafvollzug 2012/13).

Viele Jugendhaftanstalten nehmen an Turnieren und Spielen teil. Auch wenn diese Begegnungen meist innerhalb der Gefängnismauern stattfinden, gibt es auch Gruppen, die zu Spielen außerhalb fahren. Voraussetzung hierbei ist allerdings, dass alle Teilnehmer im offenen Vollzug sind.

So freut sich die Sportabteilung besonders über interessierte Mannschaften, die sich in den Sportarten Fußball, Tischtennis oder Basketball mit den Inhaftierten messen möchten.

Ein gutes Beispiel hierbei sind die bereits bestehenden regelmäßigen Spiele gegen die Basketballmannschaft vom TSV Tröster Breitengüßbach, FC Baunach und von der BSJ Lichtenfels, sowie gegen die Tischtennisvereine TSV Schwebheim und Concordia Strullendorf um nur einige zu nennen.

Rein optisch machen die Teams der JVA künftig eine gute Figur. Lässt sich nur hoffen, dass die neue Ausstattung auch zu den erhofften sportlichen Erfolgen führen wird!


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